Angela Bulloch & Esther Schipper: Eine enge Zusammenarbeit seit 1989 Online Viewing Room Angela Bulloch & Esther Schipper: Eine enge Zusammenarbeit seit 1989 Online Viewing Room
April 17—Mai 30, 2020

Angela Bulloch & Esther Schipper: Eine enge Zusammenarbeit seit 1989 Online Viewing Room

Angela Bulloch ist seit der Gründung von Esther Schipper ein fester Bestandteil der Galerie. Ihre Arbeiten wurden in insgesamt dreizehn Einzelausstellungen und zahlreichen Gruppenpräsentationen gezeigt.

 

Zum dreißigjährigen Jubiläum der ersten Ausstellung mit Angela Bulloch präsentiert Esther Schipper einen Online Viewing Room, der Einblicke in historisches Material gewährt und sich den zentralen Werkgruppen der Künstlerin widmet.

Angela Bulloch wurde 1966 in Rainy River, Ontario in Kanada geboren. Sie studierte am Goldsmiths College der University of London. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin.

 

Bulloch wurde 1997 für den Turner-Preis und 2005 für den Preis der Nationalgalerie in Berlin nominiert. 2011 erhielt sie den Vattenfall-Preis für zeitgenössische Kunst, Berlin, sowie den Kunstpreis der Stadt Wolfsburg.

 

Angela Bullochs medienübergreifendes Werk zeigt ihr Interesse an Systemen, Mustern und Regeln sowie ihre Auseinandersetzung mit der Geschichte von geometrischen Formen und menschlicher Interaktion. Ihre jüngste Serie von Stack-Skulpturen verbindet ihr Geometrie und Serialität mit einer grafischen Ebene. Das Erscheinungsbild der Skulpturen verschiebt sich je nach Standpunkt: von einer Seite dominiert ein unregelmäßiger Aspekt, während von einer anderen Seite der Eindruck einer absoluten Regelmäßigkeit vorherrscht.

 

Zu den jüngsten Einzelausstellungen von Bulloch gehören Anima Vectorias, MAAT, Lissabon (2019); Angela Bulloch, Omi International Arts Center, The Fields Sculpture Park, Ghent, New York (2017); Considering Dynamics & The Forms of Chaos, Sharjah Art Museum, Sharjah (2016); Short Big Drama, Witte de With, Rotterdam (2012); Time & Line, Städtische Galerie, Wolfsburg (2011), und Information, Manifesto, Rules And Other Leaks…, Vattenfall Contemporary Art Prize, Berlinische Galerie, Berlin (2011).

 

Ihre Arbeiten befinden sich in den folgenden öffentlichen Sammlungen: National Gallery of Victoria, Melbourne; Sammlung Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz; FRAC Languedoc-Roussillon; FRAC Poitou-Charentes; FNAC, Puteaux; Fondation Louis Vuitton, Paris; Le Consortium, Dijon; Centre Pompidou, Paris; Estuaire, Nantes; Bundeskunsthalle, Bonn; The Schaufler Foundation, Sindelfingen; Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München; Kunstmuseum, Bonn; Berlinische Galerie, Berlin; Sammlung Städtische Galerie, Wolfsburg; De Pont, Tilburg; Helga de Alvear, Madrid; Sammlung Ringier, Zürich; Sammlung Guggenheim Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate; Tate, London; Arts Council Collection, London; Museum of Art, Rhode Island School of Design, Providence, Rhode Island; Goss Michael Foundation, Dallas, Texas, und Phillips Collection, Washington, D.C.

Angela Bulloch, Gary Hume, Michael Landy, 1989


 

 

Esther Schipper und Angela Bulloch lernten sich 1988 in London kennen, während die Künstlerin am Goldsmiths College studierte.

 

Ein Jahr später eröffnete Esther Schipper ihre Galerie in Köln. Die erste Gruppenausstellung mit Angela Bulloch fand vom 12. Oktober bis 11. November 1989 statt – zur gleichen Zeit wie der Fall der Mauer in Berlin.

 

Die Ausstellung zeigte drei Werke aus Bullochs Light Switch Serie, zusammen mit Installationen von Gary Hume und Michael Landy.

Jede Arbeit aus der Serie besteht aus opalisierenden Polycarbonat-Kugeln mit farbigen Glühbirnen. Das Licht wechselt in regelmäßigen Abständen von einer Kugel zur anderen, während das Licht jeweils nur in einer Kugel eingeschaltet ist.

Angela Bulloch, 1990


 

 

Die erste Einzelausstellung von Angela Bulloch mit Esther Schipper wurde am 16. November 1990 in Köln eröffnet.

 

Die Ausstellung bestand aus einer groß angelegten Installation, der Drawing Machine Blue Horizons II. Die Arbeit griff die Mechanik von Bullochs erster Drawing Machine wieder auf, die Anfang 1990 konzipiert wurde.

Die Zeichnung, die aus einem Feld blauer vertikaler, horizontaler und diagonaler Linien besteht, vermittelt den Eindruck eines offen gewobenen Rautenmusters. Ihre Mechanik umfasst eine horizontale Schiene, von der zwei vertikale Stangen mit einem drauf montierten Schlitten abgehen, auf dem ein Stift befestigt ist.

 

— Christian Rattemeyer, Time & Line, Hatje Cantz Verlag, 2012, p. 24.

Anstelle eines beständigen Permanentmarkers verwendete Blue Horizons II verschwindende Tinte auf Wasserbasis, die sich durch das Sonnenlicht veränderte.

 

Die Drawing Machine wurde durch eine Kombination von schallaktivierten Sensoren, die mit dem Ausstellungsraum durch Mikrofone verbunden waren, und einem Druckschalter ausgelöst, welcher in der Sitzmöglichkeit vor der Arbeit montiert war.

Ein Kunstwerk ist ein interaktives Werk, wenn der Betrachter bereits ahnt, dass er es beeinflussen wird, indem er sich physisch irgendwie mit dem Werk auseinandersetzt. Bei einem ‚interpassiven‘ Werk wird das Engagement des Betrachters in dem Moment entdeckt, in dem das Werk durch seine Anwesenheit vollendet wird.

 

— Angela Bulloch

MHLM...MGHMMH!, 1992


 

 

Die Bilder stammen von einer Geschichte aus einem Mailänder SM-Comic. Zuerst habe ich die Bilder (von weiß nach schwarz und von schwarz nach weiß) für die ganze Geschichte umgekehrt. Dann entfernte ich alle Dialoge und Personen aus den Bildern, indem ich sie schwärzte. Das Ergebnis ist eine Reihe von Bildern von Objekten und Szenen, die mit Geräuschen wie Grunzen und Seufzen in großen handgezeichneten Comic-Schriftzügen durchsetzt sind. Nachdem ich die Geschichte auf etwa 69 Bilder reduziert hatte, fertigte ich Fotos und Wandzeichnungen davon an.

 

— Angela Bulloch

 

Jede Wandarbeit wurde durch ein 35mm-Dia, welches als Schablone diente, auf die Wand projiziert und anschließend direkt aufgemalt.

Rules Series, 1993


 

 

Im Jahr 1993 markierte Angela Bullochs Einzelausstellung mit Esther Schipper den Beginn einer wichtigen Werkgruppe: die Rules Series.

 

Die Rules Series ist ein konzeptuelles Werk, welches aus einer Sammlung vorgefundener Regeln besteht, die bewusst die emotionslose Strenge der frühen Konzeptkunst vermeidet. Zu den Quellen für die Regelsammlungen gehören bis dato eine Striptease-Bar, ein Videospielsalon, die Allgemeine Dienstordnung des Britischen Unterhauses, eine russische Modellierschule, Nachbarschaftstipps bei Unruhen in Santa Monica, Datenschutzregeln und Farbcodes für Jeans-Taschentücher.

In der Baby Doll Lounge in New York entdecke Bulloch das erste Regelwerk auf der Rückseite der Tür zur Damentoilette, welche zugleich als Umkleideraum für die Tänzerinnen diente.

Es gibt gewisse Regeln für die Rules Series, welche gleichzeitig die zentrale Installation von Bullochs Ausstellung 1993 bildeten:

 

1. The rules are lists of rules that pertain to particular places, practices or principles.
2. Each list is an individual work; however it is also part of a series.
3. Each list is a unique piece with no fixed form; however a collection of ten lists has been produced as a printed edition of 20.
4. Each unique piece is accompanied by this list, which becomes a certificate when titled and signed by the artist.
5. The unique pieces have no form; buying one confers the right to produce or reproduce the piece in any form or medium.
6. A rules series edition may be photocopied; buying one confers the right to photocopy the lists in any size or colour.
7. The artist asserts the usual moral rights and copyrights.

Neben ihrer Ausstellung in der Galerie – damals in der Neusserstraße 28 – präsentierte Bulloch neun weitere Arbeiten aus ihrer Rules Series, die im September 1993 in der Stadt Köln verteilt gezeigt wurden.

 

Auf diesem Bild sind die Künstler Carsten Höller und Wolfgang Tillmans sowie der Galerist Daniel Buchholz zu sehen, wie sie die an der Tafel eines Restaurants angeschriebenen Datenschutzregeln der Künstlerin lesen.

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Das Werk besteht aus einem signierten Zertifikat, welches die Regeln enthält. Die Arbeit hat keine vorgegebene Form: Der Eigentümer hat das Recht, das Werk in jedem beliebigen Medium und in jeder beliebigen Größe auszuführen und zu reproduzieren. Die Ausführung des Werkes kann jede Form annehmen und unabhängig von der Künstlerin erfolgen.

Mud Slinger, 1995


 

 

1995 präsentierte Angela Bulloch eine ortsspezifische Installation mit dem Titel Mud Slinger. Die Ausstellung konzentrierte sich auf das die Malerei als kulturelle Technik und bezog den künstlerischen Prozess auf die schöpferische Kraft eines Kindes, "das noch nicht die später vorgeschriebenen Ordnungen und Organisationsmethoden erworben hat, die das Dogma unseres allgemeinen und sozialisierten Kunstverständnisses prägen". Für die Installation verwendete Angela Bulloch Schlamm als Material, der mit einer elektrischen Pumpe auf die Wand aufgetragen wurde.

Codes, 1998


 

 

Die fünfte Einzelausstellung von Angela Bulloch, die am 27. Mai 1998 bei Schipper & Krome in Köln eröffnet wurde, trug den Titel Codes. Die Ausstellung bestand aus drei neuen Werken, die eine Weiterentwicklung der Lichtarbeiten und der Rules Series darstellten.

 

Eines der Hauptwerke der Ausstellung war die Arbeit Snooker – Start Of An End Game. Die Installation bezog sich sowohl in der Farbe (schwarz, rot, rosa, blau, grün, braun, gelb und weiß) als auch in ihrer Anordnung auf das englische Snooker-Spiel.

Die dreiteilige Arbeit Triple Donut/Toadstool RYB, 1998, war eine modular konzipierte Gruppe von Sitzsäcken, die zwar ein eigenständiges Werk bildete, sich jedoch auf die Lichtinstallationen bezog.

Blow_Up T.V., 2000


 

 

Angela Bullochs Pixel Boxes wurden zu ihrer bekanntesten Werkgruppe. Im Jahr 2000 stellte sie ihre ersten Prototypen bei Esther Schipper in Berlin, im Rahmen ihrer Einzelausstellung Blow_UP T.V. vor.

Ein Pixel ist die kleinste vorstellbare Bildeinheit und ergibt einen semantischen Sinn eben nur dann, wenn es als Gruppe (soziales Konstrukt) erscheint. Wenn die kleinste Bildeinheit, das Pixel, hier 50 x 50 cm groß ist, dann läßt sich leicht folgern, wie groß der Abstand des Betrachters zur Gruppe der Pixel sein muß, um ein Bild zu identifizieren.

 

Die neuen Pixelmodule sind komplexe RGB-Lichtsysteme, die in der Lage sind, Millionen von Farben innerhalb eines definierten Feldes von 50 x 50 x 50 cm zu erzeugen. Sie können mit Hilfe von jeglicher digitaler Information generiert und programmiert werden.

 

Der Raum, den Angela Bulloch für diese Ausstellung schafft, besteht aus verschiedenen Anordnungen von Pixelboxen (Türme, einzelne Kuben u.a). Die Programmierung der einzelnen Arbeiten erfolgte auf der Basis einer Sequenz aus Blow Up.

 

Angela Bulloch nutzt ein Key-Visual aus Antonionis Film Blow Up, die Sequenz, in welcher der Hauptdarsteller sich hinter einem Baum im Park versteckt und Fotos von einem spazierengehenden Pärchen macht. Später vergrößert er die Fotos und entdeckt auf ihnen einen Mord.

 

In BLOW_UP T.V. wird dieser Identifikationsprozess durch eine zusätzliche Vergrößerung ausgeweitet und läßt das Bild innerhalb eines modularen Systems quasi explodieren.

Ursprünglich aus Buchenholz mit einer Glasfront gefertigt, zeigen Bullochs Pixel Boxes sanft wechselnde und pulsierende Farben und verschieben komplexe visuelle Muster zu monochromen Flächen.

 

Bullochs Arbeiten umfassen viele unterschiedliche Formen, doch alle manifestieren ihr Interesse an Systemen, Mustern und Regeln sowie am kreativen Spannungsfeld zwischen Mathematik und Ästhetik. Ein roter Faden in ihrer künstlerischen Praxis ist die Manipulation von Systemen ein gewisser Verlust von Kontrolle. Die Künstlerin spielt mit unserer Wahrnehmung und Erfahrung von Kunst. Sie gibt vor, diese Erfahrung "unterschwellig zu programmieren" und inszeniert eine Situation, die sich unserem direkten Zugriff entzieht.

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Die Pixel Box begann mit einer Idee – ein Pixel, das kleinste Element eines Bildes, verwandelte ich in einen großen Würfel, der Licht ausstrahlt, und dieses Licht kann mit einem Programm gesteuert werden.

 

— Angela Bulloch, Interview mit Suzanne Cotter, Euclid in Europe, Hatje Cantz Verlag, 2019, p. 59

Macro World: One Hour3 and Canned, 2002 


 

 

Zwei Jahre später präsentierte Angela Bulloch eine Neuentwicklung des Pixelmoduls, die eine noch stärkere Verbindung mit den Medien und dem Alltag herstellte.

 

Der Trend der frühen 2000er Jahre zu einer Austauschbarkeit globalisierter TV-Formate wurde in einer Pixelwand von 2,50 x 3,50 Metern als Träger abstrahierter visueller Informationen verdichtet.

In Macro World: One Hour3 and Canned verwendete Angela Bulloch Filmmaterial von BBC World: World News und Global Weather — die Topographie einer unsichtbaren Welt, die uns lediglich als Karte auf einer standardisierten, unpersönlichen Plattform präsentiert wird. Zu jeder vollen Stunde wird bei BBC World ein fast immer gleichförmiges Programm weltweit ausgestrahlt, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

 

Im stundenlangen Materialzyklus werden absichtlich Fehler in das Programm eingebaut. Sie sind in Intervallen während der gesamten Schleife zu sehen: Ein einzelnes Pixel mit einer seltsamen Farbe erscheint innerhalb des gebrochenen Bildes und wächst über den Bildschirm. Die Fehler blenden die ohnehin nicht ganz erkennbaren Bilder von sprechenden Köpfen oder Landschaftsszenen aus, genau die Art von Bildern, die man in standardisierten Nachrichtensendungen wie BBC World sieht. Eine Hintergrund-Musik mit der Corporate Sound Identity der BBC, genannt BBC World: The Music von David Lowe, begleitet die Schleife.

 

Die Arbeit wird von einem Doppelboden aus Euro-Paletten und einer abgehängten Decke aus Kunststoff-Spiegelplatten "gerahmt".

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Horizontal Technicolour war zwar nicht in der Ausstellung enthalten, wurde aber im selben Jahr produziert.

 

Die Arbeit besteht aus einer 32-teiligen Pixel Box im Leinwand-Format, die eine zweiteilige Sequenz abspielt. Die erste Hälfte ist „verpixeltes“ Videomaterial, das im The Artist's Palette im Death Valley, Kalifornien, gedreht wurde – so benannt, weil die Gesteinsformationen mit giftigen Mineralien befleckt sind und eine breite Farbpalette abbilden. Bulloch nahm das Material von einem fahrenden Fahrzeug aus auf, "um das Gefühl einer vorbeirauschenden Landschaft einzufangen".

 

Die zweite Hälfte basiert auf den gedrehten kosmologischen Horizontlinien in der psychedelischen Schlussszene von Stanley Kubricks 2001: A Space Odyssey (1968).

Die ‚Stargate‘ Szene zeigt zwei scheinbar unendliche Belichtungsebenen, die vorbeirauschen, aber statt von links nach rechts über das Bild zu laufen, kommen die Landschaften in einem Strom wirbelnder Lichter und Farben direkt auf einen zu. Diese Sequenz entstand aus einer Kombination von Landschaftsaufnahmen aus der Luft, die mit farbigen und miteinander interagierenden Chemikalien überlagert wurden. Der Horizont ist im ersten Teil sichtbar und dadurch gewinnt man ein Gefühl der Schwerkraft und Orientierung, das im folgenden Teil des Stückes wieder verloren geht. Der Boden fällt weg und die Erfahrung wird irgendwie außerirdisch.

 

— Angela Bulloch

Are you coming or going, around?, 2007


 

 

 

2007 markiert Bullochs Einzelausstellung Are you coming or going, around? den Beginn einer neuen Werkgruppe. Der Ausstellungstitel war ein Wortspiel mit der Idee des Umkreisens oder Herumlaufens im Kreis – in diesem Fall als Gegensatz zum linear-teleologischen Konzept des Fortschritts zu verstehen.

 

Für diese Ausstellung stellte die Künstlerin die erste Iteration der inzwischen ikonischen Night Sky Serie vor. Die Arbeiten werden mit einem Programm vorbereitet, welches die Position von Sternen in einem virtuellen 3D-Modell des Universums abbildet. Bulloch wählt einen existierenden Bereich des Sternenhimmels aus, verschiebt jedoch den Standpunkt von der Erde weg an einen anderen Ort im Universum, sodass das endgültige Bild die reale Sternenordnung darstellt – jedoch in einer Konstellation, die von der Erde aus nie zu sehen sein wird. Der Wechsel der Perspektive erlaubt es uns, eine unendliche Anzahl von möglichen Blickwinkeln auf die Formationen des Universums zu werfen.

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Die Werke der Night Sky Serie sind komplexe LED-Paneele, die an der Wand oder an der Decke aufgehängt werden können und ein animiertes Sternenbild zeigen. Der dunkelblaue Hintergrund der Arbeit ist mit zahlreichen programmierten LED-Doden besetzt, die nach dem Muster einer Galaxie oder eines Sternbildes angeordnet sind. Sanft flimmernd simulieren die Lichtpunkte die sich verändernde Sternenlandschaft.

 

Jedes Werk der Serie zeigt eine andere Ansicht des Sternenhimmels — diese Arbeit stellt die Sternbilder Chamaeleon und Reticulum von der Südhalbkugel des Planeten Erde aus gesehen dar.

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Mit Hilfe von Celestia — einem Raumfahrtsimulationsprogramm — generiert und basierend auf realen Koordinaten, zeigen diese zwölf Drucke zusammen einen Blick in das Universum vom Planeten Merkur aus, einschließlich Ansichten von der Erde und Sonne.

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REDUX, 2010


 

 

Mit REDUX führte Angela Bulloch eine systematische Bestandsaufnahme ihres eigenen künstlerischen Formenrepertoires durch. Die Ausstellung glich einem Laboratorium, wobei frühere Arbeiten wie die Rules Series und die Pixel Boxes als Ausgangspunkt für eine Versuchsanordnung dienten.

 

Mit ihrer neuen Ausstellung „REDUX“ entschied sich Bulloch, einen Schritt nach vorne zu machen, jedoch nicht ohne die Vergangenheit aus den Augen zu lassen. Ausgangspunkt dieser Ausstellung ist, wie der Titel „REDUX“ schon andeutet, eine Art Wiederaufgreifen und Weiterentwicklung von Ideen, Materialien und formellen Ansätzen früherer Arbeiten – ebenso auch der Idee der Pixel Box – jedoch neu ausgewählt, gemischt, zusammengesetzt und überarbeitet. Aus verschiedenen Prototypen entstehen so neue Werke aus Design-Versatzstücken, welche sich vom Boden zur Decke erstrecken, individuell überzeichnet, mit verschiedensten Oberflächen versehen. (...) Andere neue Arbeiten stellen in Frage, was passiert, wenn ein Pixel oder das zweidimensionale modernistische Quadrat Oberflächen wären, die sich vertikal in den Raum erstreckten?

 

— Dominic Eichler

ABCDLP 002 – Short Big Drama by George van Dam for Short Big Yellow Drawing Machine by Angela Bulloch, 2012


 

 

Zwölf Jahre nachdem Bulloch ihre erste Drawing Machine in der Galerie ausgestellt hatte, präsentierte sie Short Big Yellow Drawing Machine, die elfte Iteration innerhalb dieser Serie. Das Werk befindet sich heute in der Sammlung der National Gallery of Victoria in Melbourne.

 

Die Drawing Machine wird durch Geräusche aktiviert und das programmierte Zeichenmuster erzeugt horizontale Linien. Der Akt des Zeichnens ist weitgehend vorherbestimmt, Abweichungen werden jedoch in der Regel durch Richtungsänderungen verursacht, die durch die wechselnden Rhythmen und Lautstärken der Tonspur entstehen, die von George van Dam komponiert wurde.


Die Komposition mit dem Titel Short Big Drama wurde in der gleichzeitig installierten Yellow Music Station gespielt.

Angela Bulloch, Yellow Music Station – Extra Large, 2012. Foto © Andrea Rossetti
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Yellow Music Station – Extra Large ist Teil einer Serie von Listening Stations, die Bulloch 2012 begonnen hat. Sie ist mit einem Vinyl-Schallplattenspieler ausgestattet, der auf einem an der Wand befestigten Gestell ruht, ein Soundsystem und eine vom Plattenlabel des Künstlers ABCDLP herausgegebene bunte LP wird neben dem Player auf ebenfalls an der Wand befestigten Regalen platziert.

 

Sechs schwere Vorhänge aus gelbem Filz hängen an einem geschwungenen Metallgeländer, bilden eine halbprivate Abtrennung und fungieren so auch als akustische Isolierung. Der Filz verhindert das Entweichen des Schalls und intensiviert gleichzeitig den Klang im Inneren.

Die Musik wurde mit der Maschine im Hinterkopf konstruiert... nach bestimmten Parametern wie dem Frequenzbereich, unter Verwendung von Klängen mit Akzenten und kurzen, vorpreschenden Musikausbrüchen... die wir aufgrund der Neigungen der Maschine vorherbestimmt hatten.

 

— George van Dam

 

Klicken sie hier, um Short Big Drama zu hören – komponiert von George van Dam und veröffentlicht von Angela Bullochs Label ABCDLP.

In einer umgekehrten Strategie wird die Maschine zu einem Instrument der Musik. Die Maschine bewegt sich so, wie die Musik klingt... intensiv, teilweise sogar neurotisch, irreführend, da sie die Musik unsicher zu verfolgen scheint.

 

— Angela Bulloch

Angela Bulloch, 2011. Foto © PRMO

In Virtual Vitro, 2014


 

 

Unter dem Titel In Virtual Vitro zeigte Angela Bulloch in ihrer elften Einzelausstellung neue Arbeiten aus wichtigen Werkgruppen, darunter eine Music Listening Station mit Schallplatten ihres Plattenlabels ABCDLP, eine Drawing Machine und zwei Happy Sacks. Ein Video mit einem Avatar, das auf einem iPad abgespielt wurde, gab eine kurze Einführung in die Ausstellung.



Die Auseinandersetzung mit Bullochs Werk ist stets eine Beschäftigung, eine fortlaufende Erfahrung. Dieses diachronische Element wurde buchstäblich in die meisten Arbeiten im ersten Raum der Ausstellung eingebaut: der Maschine beim Zeichnen oder der Pixel Box beim Farbwechsel zuzuschauen, während man der von ihr ausgewählten Musik lauscht.

Ausstellungsansicht: In Virtual Vitro, Esther Schipper, Berlin, 2014. Foto © Andrea Rossetti
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Die mehrteilige Skulptur Hercules Wall Hanging 008 besteht aus zwei grauen Filztafeln, die an hölzernen rautenförmigen Nieten aufgehängt sind und die Wand sowie Teile des Bodens bedecken. Auf dem Bodenstück sind drei Polyeder-Skulpturen platziert. Kleine Fragmente eines klassischen Mosaikmusters sind an mehreren Stellen auf das Wandteil gedruckt. Auf der rechten Hälfte befinden sich LED-Leuchten, die das Sternbild Herkules zeigen. Zur Berechnung der Sternenkonstellation wird dasselbe 3D-Kartierungsprogramm verwendet wie in Bullochs Night Sky Serie.

 

Die kleinen Skulpturen sind eng mit dem Mosaikmuster verwandt, da die Rauten aus manchen Blickwinkeln wie die gekachelten Würfel erscheinen, die in der Struktur zu finden sind. Die Rauten sind direkt auf den Filz gedruckt und dienen gleichzeitig als Hintergrund, was die Wahrnehmung des Betrachters hinsichtlich der räumlichen Beziehungen zwischen Figur und Grund herausfordert.

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Thing One on Pixel Box Blue kombiniert zentrale Themen in Bullochs Werk. Die Arbeit bringt eine Pixel Box, die eine Abfolge monochromer Farbfolgen zeigt, mit einer unregelmäßigen Rautenstruktur zusammen. Das weiße Material des Würfels steht dabei in starkem Kontrast zur dunkelgrauen MDF-Einheit.

 

Die Künstlerin hat die Pixel Box nach dem Farbspektrum programmiert — da aber die roten und grünen Glühbirnen durch blaue ersetzt wurden, kann sie nur unterschiedliche Blautöne erzeugen.

Ausstellungsansicht: In Virtual Vitro, Esther Schipper, Berlin, 2014. Foto © Andrea Rossetti

Angela Bullochs geometrische Skulpturen bestehen aus mehreren zusammengesetzten Figuren, sogenannten Polyedern. Die mit Hilfe digitaler Bildbearbeitung konzipierten und gestalteten Formen sind eigenständig, doch verbindet sie eine klare formale Verwandtschaft. Sie bestehen aus unbehandeltem oder geöltem MDF, aus dem Verbundwerkstoff Corian oder aus pulverbeschichtetem Stahl — was eine Installation im Außenbereich ermöglicht.

 

Jede der Skulpturen weist eine eigene Struktur auf, die durch rhythmische Abweichungen ihrer einzelnen Elemente entsteht. Im Wechselspiel der hellen, leuchtende, und dunklen Farben entstehen optische Täuschungen. Die Ebenen scheinen sich voneinander zu lösen, vor und zurück zu springen, und schaffen eine dynamische Abfolge. Das Aussehen jeder Skulptur ändert sich je nach Blickwinkel. Von einer Seite betrachtet mag der Aspekt der Unregelmäßigkeit dominieren, von einer anderen dagegen der Eindruck einer totemähnlichen Regelmäßigkeit vorherrschen.

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Heavy Metal Body, 2017


 

 

Zur Eröffnung von Esther Schippers neuen Galerieräumen in der Potsdamer Straße in Berlin präsentierte die Ausstellung drei neue Skulpturen und eine Wandzeichnung. Die Arbeiten erweitern einen Werkkomplex, der von Angela Bulloch seit 2014 entwickelt wird.

 

Angela Bullochs Stack-Skulpturen und Wandarbeiten manifestieren ihr Interesse an Systemen und Mustern sowie dem kreativen Feld zwischen Mathematik und Ästhetik.

Ausstellungsansicht: Heavy Metal Body, Esther Schipper, Berlin, 2017. Foto © Andrea Rossetti

Es ist wirklich bemerkenswert, wie sich die Wahrnehmung von [Heavy Metal-Skulpturen] ständig verändert. Man ist sich nie ganz sicher, ob sie zweidimensional oder dreidimensional sind, was in irgendeiner Form den digitalen Ursprung zu übersetzen scheint...

 

— Suzanne Cotter, Interview mit Angela Bulloch, Euclid in Europe, Hatje Cantz Verlag, 2019, p. 59

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Ausstellungsansicht: Heavy Metal Body, Esther Schipper, Berlin, 2017. Foto © Andrea Rossetti
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Ausstellungsansicht: Heavy Metal Body, Esther Schipper, Berlin, 2017. Foto © Andrea Rossetti

In diesem Video spricht Angela Bulloch über ihre Arbeit Heavy Metal Stack: Fat Cyan Three (2018), eine Skulptur, die zum hundertjährigen Jubiläum der Phillips Collection in Washington D.C. in Auftrag gegeben wurde.