L'Invitation au voyage

L'Invitation au voyage

Esther Schipper, Berlin
Juni 10 – 30, 2021

Esther Schipper freut sich, einen Online-Viewing-Room zu präsentieren, der L'Invitation au voyage gewidmet ist, einer Ausstellung von Malerei auf die lange Tradition des Reisens in der eigenen Imagination verweisen, sei es mittels Phantasie oder Traum, und Ideen über den Körper als Schauplatz von Projektion, Übertragung und individueller Erkenntnis.

 

In einer Zeit, in der das Reisen im wirklichen Leben zunehmend erschwert wird und die Leichtigkeit, ja Leichtfertigkeit, mit der wir diese Freiheit als selbstverständlich hingenommen haben, in Frage gestellt wird, evoziert die Ausstellung – der Titel L’Invitation au voyage ist einem Gedicht aus Charles Baudelaires Les Fleurs du Mal entnommen – die Freiheit imaginärer Reisen. Das Gedicht, in dem der Autor seine Geliebte einlädt, mit ihm in der Phantasie zu reisen, legt eine Parallele zwischen der flämischen Malerei, der Landschaft der Niederlande und dem Körper seiner Geliebten nahe. Die berühmten Schlusszeilen gaben dem Gemälde von Henri Matisse 1904 den Titel: Là, tout n’est qu’ordre et beauté, Luxe, calme et volupté.

 

Die Ausstellung zeigt historische und zeitgenössische Ansätze, die von Vorstellungen von Traum und Fantasie inspiriert, beeinflusst wurden und diese erweitern. Sie erstreckt sich über mehrere Generationen und künstlerische Ansätze. Beginnend mit der bahnbrechenden Avantgarde Künstlerin Hannah Höch und etablierten Figuren wie Paula Rego, Almut Heise, Leiko Ikemura und Yeesookyung, setzt sich die Ausstellung mit Werken von Sarah Buckner, Cui Jie, Cordula Ditz, Tala Madani, Isa Melsheimer, Sojourner Truth Parsons, Shahzia Sikander und Tsai Yi-Ting in jüngeren Generationen fort.

  • Almut Heise


     

     

    Almut Heise (geb. 1944 in Celle / lebt und arbeitet in Hamburg) studierte von 1965 bis 1967 am Hochschulinstitut für Kunst- und Werkerziehung in Mainz, von 1967 bis 1970 an der Hochschule für Bildende Kunst in Hamburg und von 1970 bis 1971 im Rahmen eines DAAD-Stipendiums am Royal College of Arts in London. In den Jahren 1978/79 absolvierte sie einen Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom und wurde mit Kunstpreisen wie dem Edwin-Scharff-Preis und dem Kunstpreis Finkenwerder ausgezeichnet. Von 1978 bis 2005 war sie Professorin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg. Einzelausstellungen u.a.: Kunstverein Freiburg/Breisgau, 1990; Kunsthaus Hamburg, 1975; und Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, 1974.

  • Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
    Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
  • Almut Heises großformatige Darstellungen von Interieurs fanden bereits während ihrer Studienzeit an der Hochschule für bildende Künste Hamburg große Anerkennung. Sie verwarf dieses erfolgversprechende Motiv unerwartet und widmete sich fortan fast ausschließlich der Figurenmalerei.


    Frühe Gemälde wie Bar von 1970 sind dagegen menschenleer. Bar sticht stilistisch dadurch hervor, dass es nicht das typische deutsche Nachkriegsdekor mit seinen Cocktail-Sesseln, Nierentischchen, Paradekissen und Tütenlampen zeigt, die charakteristisch für Heises Interieurs ab Mitte der 1960er-Jahre sind. Im Zentrum des Bildes befindet sich ein schwarzes Klavier aus den 1920er-Jahren, das vor einer roten Bambus-Tapete und einem in Neon leuchtenden „Bar”-Schild steht. Das Gemälde entstand während ihres DAAD-Aufenthalts 1970/71 am Royal College of Art in London, wo sie bei Peter Blake studierte und vom damals allgegenwärtigen Art-déco-Stil fasziniert war.

  • Detail: Almut Heise, Bar, 1970, Öl auf Leinwand (2-teilig, zusammenklappbar), 274 x 152,5 cm (107 7/8 x 59 7/8 in) (ungerahmt), 277,2 x 156,7 x 7 cm (109 1/8 x 61 3/8 x 2 3/4 in) (gerahmt). Foto © Andrea Rossetti
    Detail: Almut Heise, Bar, 1970, Öl auf Leinwand (2-teilig, zusammenklappbar), 274 x 152,5 cm (107 7/8 x 59 7/8 in) (ungerahmt), 277,2 x 156,7 x 7 cm (109 1/8 x 61 3/8 x 2 3/4 in) (gerahmt). Foto © Andrea Rossetti
  • Das Werk Großes Wohnzimmer zeigt ein Fragment typischer Inneneinrichtung im Deutschland der Nachkriegszeit. Solche häuslichen Szenen, mit ihren Cocktail-Sesseln, Nierentischchen, Paradekissen und Tütenlampen, sind charakteristisch für die Serien von Interieurs, die die Künstlerin ab Mitte der 1960er-Jahre schuf.

  • Mit Schaufenster verzichtet die Künstlerin vollkommen auf die Darstellung des menschlichen Körpers und zeigt eine Schaufensterfigur, die ihren Rücken dem Betrachter zuwendet. Die Anziehung des Werks entsteht auf verschiedenen Ebenen: Der Betrachter blickt in das Schaufenster und sieht einerseits die Schaufensterfigur, die in ein weißes, kunstvoll besticktes Spitzenkleid gehüllt und von einem Spiegel auf der einen und einem Eileen-Gray-Tisch auf der anderen Seite gerahmt ist. Andererseits eröffnet sich auch ein weiteres „Fenster“ oder „Bild im Bild“, nämlich das Detail eines spielenden Mädchens aus Giorgio De Chiricos berühmtem metaphysischen Gemälde Geheimnis und Melancholie einer Straße, das wiederholt in Heises Werk zitiert wird.

    Alle Texte zu Werken von Almut Heise von Marie-Catherine Vogt

  • Detail: Almut Heise, Schaufenster, 2016, Öl auf Leinwand, 150,2 x 100,3 cm (59 1/8 x 39 3/8 in) (ungerahmt), 153 x 103 x 5 cm (60 1/4 x 40 1/2 x 2 in) (gerahmt). Foto © Andrea Rossetti
    Detail: Almut Heise, Schaufenster, 2016, Öl auf Leinwand, 150,2 x 100,3 cm (59 1/8 x 39 3/8 in) (ungerahmt), 153 x 103 x 5 cm (60 1/4 x 40 1/2 x 2 in) (gerahmt). Foto © Andrea Rossetti
  • Paula Rego


     

     

    Paula Rego (geb. 1935 in Lissabon, Portugal / lebt und arbeitet in London), wurde von 1952 bis 1957 an der Slade School of Fine Art ausgebildet. Rego hat zahlreiche Ausstellungen in Großbritannien und international gemacht, darunter ihre jüngsten Einzelpräsentationen: The Cruel Stories of Paula Rego, Musée de l’Orangerie, Paris, 2018-19; Paula Rego: Obedience and Defiance, Premiere in der MK Gallery, Milton Keynes, 2019, und wurde 2020 in der Scottish National Gallery of Modern Art, Edinburgh, gezeigt, bevor sie 2021 zum IMMA reiste. Eine große Retrospektive wird 2021 in der Tate Britain eröffnet.

     

  • Links: Paula Rego, Caritas, 1993, Acryl auf Leinwand, 200 x 240 cm (78 3/4 x 94 1/2 in) (PR 001). Rechts: Paula Rego, Olga, 2003, Pastell auf Papier, auf Aluminium aufgezogen, 160 x 120 cm (63 x 47 1/4 in). Foto © Andrea Rossetti
    Links: Paula Rego, Caritas, 1993, Acryl auf Leinwand, 200 x 240 cm (78 3/4 x 94 1/2 in) (PR 001). Rechts: Paula Rego, Olga, 2003, Pastell auf Papier, auf Aluminium aufgezogen, 160 x 120 cm (63 x 47 1/4 in). Foto © Andrea Rossetti
  • Das Bildermachen stellt für Paula Rego einen Ort der Zuflucht und Sicherheit dar, während es gleichzeitig ein Medium bietet, um ihre dunkelsten Gedanken und Fantasien zu erkunden. Rego ist extrem produktiv und stilistisch wie methodisch immer in Bewegung. Der kreative Prozess fungiert dabei als Stütze für ihre mentale Gesundheit und als Modus, um sich durch das eigene Leben zu manövrieren.


    Mitte der 1980er-Jahre, während ihr Ehemann, der Maler Victor Willing, an Multipler Sklerose erkrankte und im Sterben lag, unternahm Rego einen radikalen Richtungswechsel, der seitdem den Tenor ihrer Arbeit bestimmt. Arbeitete sie zunächst noch mit Acrylfarbe auf Papier, oft in einem geradezu majestätischen Maßstab, der dem Betrachter eine Immersion in die tiefgreifenden Perspektiven ihrer jetzt viel realistischer dargestellten menschlichen Erzählungen erlaubte, begann sie damals, Gemälde auf der Grundlage von Zeichnungen anzufertigen, die allein ihrer Vorstellung entsprangen, jedoch mit größerer Sorgfalt in Bezug auf die Art und Weise, wie die Dinge tatsächlich aussehen. Die dargestellten Frauen und Männer erlangen eine volumetrische Festigkeit und werfen starke Schatten, die uns ihrer ontologischen und physischen Präsenz vergewissern. In einem der letzten derartigen Werke, dem riesigen Caritas (1993), stürzt uns die Künstlerin in den Wirbel einer verblüffend komplexen Szene, die aufgeladen ist mit persönlicher Geschichte.

  • Paula Rego, Caritas, 1993, Acryl auf Leinwand, 200 x 240 cm (78 3/4 x 94 1/2 in). Foto © Andrea Rossetti
    Paula Rego, Caritas, 1993, Acryl auf Leinwand, 200 x 240 cm (78 3/4 x 94 1/2 in). Foto © Andrea Rossetti
  • Regos Sohn Nick Willing – dessen filmisches Porträt seiner Mutter, ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2017 mit dem Titel Paula Rego, Secrets & Stories, die auf entmutigende Art ehrlichste Darstellung ihres Lebens und ihrer Arbeit bietet – hat die Bildwelten dieser Arbeit so anschaulich herausgearbeitet, dass es folgerichtig erscheint, es wörtlich neben der Reproduktion in dieser Veröffentlichung zu zitieren.

    Wie so oft bei Regos Werken kann auf jedes einzelne Gemälde auf mehr als eine Weise zugegriffen werden, was sogar für die Künstlerin selbst gilt, ohne dass dabei eine Lesart die anderen aufhebt. Paulas ältere Tochter Caroline hat ihre ganz eigene Interpretation dieser Geschichte, deren Titel dem lateinischen Begriff für Nächstenliebe entspricht, eine der drei göttlichen Tugenden. Für sie ist es ein transgressives Gemälde, in dessen Bildmittelpunkt eine Frau verankert ist, die einen inhaftierten alten Mann stillt, möglicherweise als Ersatz für den eigenen Vater der Künstlerin: eine „Mischung aus widersprüchlichen Emotionen“, Nächstenliebe neben Grusel, Güte mit einem Schlag sexueller Ungehörigkeit. Wie die Kunsthistorikerin Catherine Lampert überzeugend argumentiert hat, wird das Thema der Caritas romana – in der eine Frau heimlich ihren inhaftierten Vater stillt, um seinen Hungertod zu verhindern – hier ausdrücklich als Metapher für das „Nahrhafte der Jugend angesichts des Alterns“ verwendet.

  • Detail: Paula Rego, Caritas, 1993, Acryl auf Leinwand, 200 x 240 cm (78 3/4 x 94 1/2 in). Foto © Andrea Rossetti
    Detail: Paula Rego, Caritas, 1993, Acryl auf Leinwand, 200 x 240 cm (78 3/4 x 94 1/2 in). Foto © Andrea Rossetti
  • 1994 begann Rego mit Pastellkreiden zu arbeiten und fand das Medium perfekt, um wieder direkt vom Modell malen zu können, was sie seitdem tut. Ihre portugiesische Assistentin Lila Nunes, die die Künstlerin häufig vertritt, war für diesen Prozess von entscheidender Bedeutung. Rego fand die Direktheit und Taktilität des Mediums sehr ansprechend und eignete es sich sofort auf überaus persönliche Art und Weise an. Sie verwendet das Medium nicht wie die Meister des 18. Jahrhunderts oder wie Degas und die Impressionisten, die es ein halbes Jahrhundert vor ihrer Geburt als ein zartes Verwischen von Farben eingesetzt hatten. In Werken wie La Fête und Olga, beide aus dem Jahr 2003, werden die kräftigen Umrisse der Formen stattdessen durch ein distinktives Markieren ergänzt, wodurch die Figuren als farbintensive Anhäufungen aus reinem Pigment zum Leben erweckt werden.

    • Paula Rego Olga, 2003 Pastell auf Papier, auf Aluminium aufgezogen 160 x 120 cm (63 x 47 1/4 in)
      Paula Rego
      Olga, 2003

      Pastell auf Papier, auf Aluminium aufgezogen

      160 x 120 cm (63 x 47 1/4 in)

    Olga gehört zu einer Gruppe von Bildern, die problematische Erinnerungen an die unmittelbaren Nachkriegsjahre in der portugiesischen Küstenstadt Estoril wachrufen, in der Rego als Jugendliche mit ihren Eltern lebte und wo deutsche Flüchtlinge nach einem neuen Leben suchten. (Portugal war im Krieg neutral geblieben, hatte jedoch mit den Achsenmächten sympathisiert.) Mit Olgas ausgesprochen maskulinem Aussehen versucht das Bild kaum zu verschleiern, dass ein Freund der Künstlerin für das Bild Modell gestanden hatte. Wir sehen, wie ein kleines Mädchen auf recht ungenierte Art und Weise Schutz und Trost im Rock von Olga, einer Sprachlehrerin und Musikerin, sucht. Wie so oft bei Rego lädt der verblüffende Charakter des Bildes, der gleichzeitig Zärtlichkeit und drohende Gefahr suggeriert, die Verführung seiner bildlichen Mittel mit den Nachbeben psychischer Störungen und Traumata auf.

  • Detail: Paula Rego, Olga, 2003, Pastell auf Papier, auf Aluminium aufgezogen, 160 x 120 cm (63 x 47 1/4 in). Foto © Andrea Rossetti
    Detail: Paula Rego, Olga, 2003, Pastell auf Papier, auf Aluminium aufgezogen, 160 x 120 cm (63 x 47 1/4 in). Foto © Andrea Rossetti
  • Links: Paula Rego, Olga, 2003, Pastell auf Papier, auf Aluminium aufgezogen, 160 x 120 cm (63 x 47 1/4 in). Rechts: Paula Rego, La Fête, 2003, Pastell auf Papier, auf Aluminium aufgezogen, 170 x 120 cm (66 7/8 x 47 1/4 in). Foto © Andrea Rossetti
    Links: Paula Rego, Olga, 2003, Pastell auf Papier, auf Aluminium aufgezogen, 160 x 120 cm (63 x 47 1/4 in). Rechts: Paula Rego, La Fête, 2003, Pastell auf Papier, auf Aluminium aufgezogen, 170 x 120 cm (66 7/8 x 47 1/4 in). Foto © Andrea Rossetti
  • La Fête gehört zu einer Gruppe von Bildern, die problematische Erinnerungen an die unmittelbaren Nachkriegsjahre in der portugiesischen Küstenstadt Estoril wachrufen, in der Rego als Jugendliche mit ihren Eltern lebte und wo deutsche Flüchtlinge nach einem neuen Leben suchten. (Portugal war im Krieg neutral geblieben, hatte jedoch mit den Achsenmächten sympathisiert.) Die Akkordionistin, ihre Beine gespreizt und ihr Kopf in einem eigenartigen Winkel geneigt, wird von zwei recht unheimlichen Kreaturen begleitet, die die bedrohliche Stimmung der Szenerie unter heraufziehenden Gewitterwolken betonen.

     

    Alle Texte zu Werken von Paula Rego von Marco Livingston

  • Paula Rego, Secrets & Stories from Nick Willing on Vimeo.

  • Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
    Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
  • Leiko Ikemura


     

    Leiko Ikemura (geb. in Tsu, Präfektur Mie, Japan / lebt und arbeitet in Berlin und Köln) studierte von 1970 bis 1972 an der Staatlichen Universität Osaka und von 1973 bis 1978 an der Escuela Superior de Bellas Artes de Santa Isabel de Hungría, Sevilla. Von 1990 bis 2016 war sie Professorin an der Universität der Künste, Berlin, und seit 2014 an der Joshibi University of Art and Design in Kanagawa. Jüngste Ausstellungen u.a.: Leiko Ikemura im Dialog mit Donata und Wim Wenders, Stiftung Brandenburger Tor / Max Liebermann Haus, Berlin, 2018; sowie Einzelpräsentationen im National Art Center, Tokio, 2019; im Kunstmuseum Basel, 2019; und in der Kunsthalle Rostock, 2020.

  • Von links nach rechts: Leiko Ikemura, Genesis, 2015, Tempera auf Jute, 190 x 290 cm (74 3/4 x 114 1/8 in); Tokaido, 2015, Tempera auf Jute, 190 x 290 cm (74 3/4 x 114 1/8 in); Tokaido, 2015, Tempera auf Jute, 190 x 290 cm (74 3/4 x 114 1/8 in). Foto © Andrea Rossetti
    Von links nach rechts: Leiko Ikemura, Genesis, 2015, Tempera auf Jute, 190 x 290 cm (74 3/4 x 114 1/8 in); Tokaido, 2015, Tempera auf Jute, 190 x 290 cm (74 3/4 x 114 1/8 in); Tokaido, 2015, Tempera auf Jute, 190 x 290 cm (74 3/4 x 114 1/8 in). Foto © Andrea Rossetti
    • Leiko Ikemura Tokaido, 2015 Tempera auf Jute 190 x 290 cm (74 3/4 x 114 1/8 in)
      Leiko Ikemura
      Tokaido, 2015

      Tempera auf Jute

      190 x 290 cm (74 3/4 x 114 1/8 in)

    Leiko Ikemura studierte Literaturwissenschaft in Osaka und Spanien, bevor sie zu malen begann und sich im Jahr 1973 an der Escuela Superior de Bellas Artes in Sevilla einschrieb. Für einige Zeit lebte sie in Zürich, bis sie in den 1980er-Jahren nach Deutschland zog, wo sie noch heute lebt. In dieser ersten Schaffensperiode liegt ihr Fokus vor allem auf der Zeichnung und setzt sich mit den Herausforderungen auseinander, die bei der Entwicklung einer authentischen kreativen Sprache auftreten. Ihre Kunst wird teilweise von einem suchenden Nachdenken über ihre eigene Weiblichkeit angetrieben als auch von dem Versuch, einen Platz für ihr Leben als Frau zwischen ihrer ursprünglichen Heimat Japan und ihrer Adoptivheimat in Europa zu finden.

    Ein Aufenthalt in Grisons im Jahr 1989 inspirierte Ikemura dazu, ein neues visuelles Vokabular zu erarbeiten, das letztlich zu einer Fusion aus Körper und Landschaft führte. Dem folgten unbestimmte archaische Hybridkreaturen, die die Künstlerin zunehmend in Skulpturen formte, und in den 1990ern dann weibliche Figuren, die schwerelos am Horizont zwischen Erde und Himmel, Vergangenheit und Zukunft schweben, und dabei verletzlich und unberührbar zugleich sind. In ihren jüngsten Arbeiten erweckt Ikemura die melancholische Sehnsucht nach einer unteilbaren Vereinigung von Mensch und Natur in traumähnlichen Seelenlandschaften. Die Phänomene der im Entstehen begriffenen Form und Metamorphose bilden so einen Rückbezug auf das frühe Schaffen der Künstlerin.

    Text: Kunstmuseum Basel, Dr. Anita Haldeman

  • Detail: Leiko Ikemura, Tokaido, 2015, Tempera auf Jute, 190 x 290 cm (74 3/4 x 114 1/8 in). Foto © Andrea Rossetti
    Detail: Leiko Ikemura, Tokaido, 2015, Tempera auf Jute, 190 x 290 cm (74 3/4 x 114 1/8 in). Foto © Andrea Rossetti
    • Leiko Ikemura Genesis, 2015 Tempera on jute 190 x 290 cm (74 3/4 x 114 1/8 in)
      Leiko Ikemura
      Genesis, 2015
      Tempera on jute
      190 x 290 cm (74 3/4 x 114 1/8 in)
    • Leiko Ikemura Tokaido, 2015 Tempera on jute 190 x 290 cm (74 3/4 x 114 1/8 in)
      Leiko Ikemura
      Tokaido, 2015
      Tempera on jute
      190 x 290 cm (74 3/4 x 114 1/8 in)
  • Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
    Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
  • Hannah Höch


     

    Hannah Höch (geb. 1889 in Gotha, gest. 1978 in Berlin) war eine deutsche Künstlerin, die der Dada-Bewegung nahestand. Sie studierte in der Grafikklasse von Emil Orlik am Nationalen Institut des Museums für Kunst und Gewerbe in Berlin. Höch nahm an der bahnbrechenden Ausstellung Erste Internationale Dada-Messe Berlin, 1920, teil. Zahlreiche Museen haben Höchs Werk posthum in Retrospektiven gewürdigt, darunter die Berlinische Galerie, Berlin, 2007, das Museum Tinguely, Basel, 2008, und die Whitechapel Art Gallery, London, 2014. Ihr zu Ehren vergibt die Stadt Berlin alle zwei Jahre den Hannah-Höch-Preis für ein außergewöhnliches künstlerisches Lebenswerk.

  • Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
    Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
    • Hannah Höch Aus dem blühenden Tal, 1937 Öl auf Leinwand 75,5 x 70,5 cm (29 3/4 x 27 3/4 in) Recto signiert Signed recto
      Hannah Höch
      Aus dem blühenden Tal, 1937

      Öl auf Leinwand

      75,5 x 70,5 cm (29 3/4 x 27 3/4 in)

      Recto signiert

      Signed recto

    1936 zog Hannah Höch mit ihrem neuen Lebensgefährten, dem viel jüngeren Pianisten und Handelsvertreter Kurt Heinz Matthies zusammen. Es folgten monatelange, gemeinsame Reisen mit dem Auto und im Wohnwagen: drei unstete Jahre, wie auf der Flucht und gleichzeitig eine Zeit von höchster Kreativität und Schaffenskraft für die Künstlerin. Sie arbeitete fieberhaft, ungezählte Zeichnungen und Aquarelle entstanden und einige ihrer bedeutendsten Gemälde. Der Mensch verschwand aus ihrem Werk, Natur und Landschaft, Blumen und Pflanzen eroberten die Leinwand.

    Bereits die erste dieser Reisen durch Südwest– und Süddeutschland dauerte sieben Monate. Wiesenblumen spielten in diesem Frühling und Sommer 1937 eine große Rolle, immer wieder zählte sie im Tagebuch die Namen auf, machte Skizzen und begann ein Ölbild zu malen. Sie nannte es Aus dem blühenden Tal. Wie unter einem Brennglas hat sie auf ihm ein grünes Meer aus Wiesenblumen in einem Farbakkord von weiß, gelb, blau und purpur leuchtenden Blüten versammelt. Jede von ihnen ist in ihrer Individualität genau dargestellt und doch ergeben sie ein harmonisches Ganzes. Als wollte die Künstlerin in finsteren Zeiten etwas festhalten und bewahren vom Wachsen und Blühen der Natur. „Ich will die Mannigfaltigkeit des Lebens preisen mit meiner Arbeit“, notierte sie am Jahresende 1937. So wird das „Blühende Tal“ Vermächtnis und Mahnung zugleich.

  • Detail: Hannah Höch, Aus dem blühenden Tal, 1937, Öl auf Leinwand, 75,5 x 70,5 cm (29 3/4 x 27 3/4 in). Foto © Andrea Rossetti
    Detail: Hannah Höch, Aus dem blühenden Tal, 1937, Öl auf Leinwand, 75,5 x 70,5 cm (29 3/4 x 27 3/4 in). Foto © Andrea Rossetti
    • Hannah Höch Garten, 1948 Collage 23 x 22,5 cm (9 1/8 x 8 7/8 in) (ungerahmt) 42,9 x 36 x 1,5 cm (16 7/8 x 14 1/8 x 5/8 in) (gerahmt) Signiert, datiert, beschriftet, gewidmet recto Signed, dated, inscribed, dedicated recto
      Hannah Höch
      Garten, 1948

      Collage

      23 x 22,5 cm (9 1/8 x 8 7/8 in) (ungerahmt)

      42,9 x 36 x 1,5 cm (16 7/8 x 14 1/8 x 5/8 in) (gerahmt)

      Signiert, datiert, beschriftet, gewidmet recto 

      Signed, dated, inscribed, dedicated recto
    • Hh003 02 2
  • Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
    Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
  • Die Bilder stammen aus einer Serie von Aquarellen, die Hannah Höch während ihrer Reisen schuf.

    Im Frühling 1924 reiste die Künstlerin zum ersten Mal nach Paris, ausgestattet mit Adressen, Empfehlungsschreiben und Geschenken. Sie beabsichtigte Kontakte zur europäischen Avantgarde knüpfen, alte Freundschaften zu vertiefen und neue aufzubauen. So traf sie die niederländische Pianistin Nelly van Doesburg und ihren Mann Theo van Doesburg, Mitbegründer von De Stijl, zu denen sie eine lebenslange Freundschaft verbinden würde.

    Ein Jahr später folgte sie der Einladung, gemeinsam einen Urlaub auf der Atlantik-Insel Belle-Île via London zu verbringen, wo ihre Freunde ein Haus an der Côte Sauvage, der wilden Küste, „in allerschönster Umgebung“, gemietet hatten, das sich in einer abgelegenen Bucht direkt am Meer befand. Ein weiter Strand erstreckte sich über die Bucht. „Rechts und links schoben sich die Felsen wie gigantische Bühnenbilder ins Bild. Unbeschreiblich schön“, notierte sie in ihrem Kalender. Die Künstlerin verbrachte zehn wundervolle Tage dort und kehrte mit vielen Landschaftsstudien im Gepäck am 21. Juni nach Paris zurück. Mit leichtem Strich zeigen die Aquarelle Belle île Felsenküste bei Donnant im Juni 1925 und  Belle île Bucht bei Donnant im Juni 1925 die wilde, einsame Schönheit der Landschaft mit großer Direktheit.

    Höch malte Seekofel (2810 m) Pragser Wildsee, Braies vecchia/Dolomiten, Sommer 1935 während eines Wanderausflugs in die Dolomiten. Während dieser Reise in die Südtiroler Region Braies Vecchia lernte Höch auch ihren zukünftigen Mann Heinz Kurt Matthies kennen, der Ökonom, Pianist und leidenschaftlicher Bergsteiger war.

    Alle Texte zu Werken von Hannah Höch von Dr. Karoline Hille

     

  • Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
    Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
  • Shahzia Sikander


     

    Shahzia Sikander (geb. 1969 in Lahore, Pakistan / lebt und arbeitet in New York) hat einen BA vom National College of Arts, Lahore, und einen MFA von der Rhode Island School of Design. Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen gehören: Disruption as Rapture, Weatherspoon Art Museum, Greensboro, 2019; Aga Khan Museum, Toronto, 2017; und A Journey into the Great Unknown, Asian Art Museum, San Francisco, 2017. Eine Wanderausstellung mit dem Titel Shahzia Sikander: Extraordinary Realities wird im Juni 2021 in The Morgan Library, New York, im November 2021 im RISD Museum, Rhode Island, und im Frühjahr 2022 im MFA in Houston eröffnet.

  • Detail: Shahzia Sikander, Empire Follows Art: States of Agitation 10, 2020, Mischtechnik auf papier, 40,6 x 30,5 cm (16 x 12 in) (ungerahmt), 55 x 46,5 x 4,2 cm (21 5/8 x 18 1/4 x 1 5/8 in) (gerahmt). Foto © Andrea Rossetti
    Detail: Shahzia Sikander, Empire Follows Art: States of Agitation 10, 2020, Mischtechnik auf papier, 40,6 x 30,5 cm (16 x 12 in) (ungerahmt), 55 x 46,5 x 4,2 cm (21 5/8 x 18 1/4 x 1 5/8 in) (gerahmt). Foto © Andrea Rossetti
  • Shahzia Sikander ist weithin berühmt dafür, vormoderne und klassische mittel- und südasiatische Traditionen der Miniaturmalerei zu erweitern, sie zu untergraben und eine Form zu begründen, die heute als Neo-Miniatur bekannt ist. Indem Sikander traditionelle und historische Praktiken in einen Dialog mit denen der zeitgenössischen internationalen Kunst treten lässt, unterzieht ihr vieldeutiges und investigatives Werk koloniale Archive einer Untersuchung, um so orientalistische Erzählungen in der westlichen Kunstgeschichte umzuformulieren. Durch die Befragung von Sprach-, Handels-, Reichs- und Migrationsideen aus imperialen und feministischen Perspektiven erforschen Sikanders Gemälde, Videoanimationen, Mosaike und Skulpturen sowohl Geschlechterrollen als auch Sexualität, kulturelle Identitäten, rassifizierte Erzählungen sowie koloniale und postkoloniale Geschichte.

    Über ihre Serie Empire Follows Art: States of Agitation sagt die Künstlerin:
    „Geschichte besteht im Wesentlichen aus der Darstellung der Bewegung von Objekten und Körpern. Handel, Sklaverei, Migration, Besetzungen im Kolonialismus – das sind die zugrunde liegenden Strömungen, ja die eigentlichen Wurzeln und Achsen der Moderne. Wie Geschichte erzählt wird, wer die Geschichte erzählen darf, drückt Machthierarchien aus, wobei mein Interesse an der Entkolonialisierung des Raums der indo-persischen Miniaturmalerei durch feministische Kritik, der Neuerfindung des Hypermaskulinen gilt. Jede Zeichnung der Serie Empire Follows Art bildet den Kampfzustand ab, in dem man sich zwischen verschiedenen Identitäten, Geschlecht, Vokabeln, der Monetarisierung von Welten, konkurrierenden Kulturen und Geschichten auf unterschiedliche Weise befindet. Die Ikonografien berücksichtigen dabei zyklische Themen wie Kampf, Krieg, Erinnerung und Migration sowie den größeren Rahmen, in dem sich alle Erfahrungen entfalten: den Tod und sein Gegenteil – das Leben.“

    Bei Sikanders Arbeit geht es nicht um das Hybride. Hier verschmelzen keine Kulturen oder Ästhetiken. Die vielfältigen Gegenüberstellungen, die die Unterschiede zwischen Geschlecht, Rasse, Klasse und Sprache widerspiegeln, werden auf bestimmte Weise angeordnet und neu geordnet, um einer Vorstellung visueller Formen Raum zu geben, die starre Narrative herausfordern und die das binäre Denken in all seinen Formen aufbricht. Sikanders Werk ist die Antithese der Fiktionen von Reinheit und authentischer nationaler Kultur.

  • Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
    Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
  • Sarah Buckner


     

     

    Sarah Buckner (geb. 1984 in Frankfurt am Main, Deutschland / lebt und arbeitet in Köln) studierte von 2006 bis 2008 an der Accademia di Belle Arti in Palermo und von 2009 bis 2017 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Peter Doig. In den Jahren 2020-21 war sie Resident im NRW+ Programm an der Kunsthalle Münster. Zu ihren jüngsten Ausstellungen gehören: Chances Are, Ermes Ermes, Köln, 2019; Manifesta 12, Palermo, 2018; Salon des Amateurs, Tramps, London, 2018; und Petto, l’ascensore, Palermo, 2015.

  • Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
    Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
  • Für Sarah Buckner fungiert die Welt mit all ihren Erfahrungen - ob literarisch oder anderweitig - als poetisches Sprungbrett. Unerschrocken von der Verletzlichkeit, die dem Bildermachen inhärent ist, und unbekümmert von der Notwendigkeit, uns genau begreiflich zu machen, was ein Bild für sie bedeutungsvoll macht, entwickeln sich Buckners Bilder durch ihre Praxis, durch Fühlen, Hören, Erforschen, Malen.

  • Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
    Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
  • Midnight vereint die Symbolik von Stadt und Natur in Ausschnitten eines Ziegeldaches, Figuren, die auf einem Balkon und einer Terrasse kauern und einem großen Baum. Für Sarah Buckner verweist das aus den Ziegeln entstehende Muster auf eine netzwerkartige Struktur, die ständigen Wandel und Unbestimmtheit suggeriert. Diese Stimmung erinnert sowohl an die Ereignisse des Jahres 2020 als auch an das Gefühl der Entwurzelung, das die Hauptfigur aus Virginia Woolfs Roman Orlando erfährt, deren verschiedene Leben in diversen Häusern, sozialen Rollen und kulturellen Kontexten verortet sind.

    • Sarah Buckner golden blossom, 2020 Öl auf Leinwand 50,5 x 61 x 2 cm Titled and dated verso
      Sarah Buckner
      golden blossom, 2020

      Öl auf Leinwand

      50,5 x 61 x 2 cm

      Titled and dated verso

    Das Gemälde golden blossom vereint abstrakte und figürliche Elemente im Hauptmotiv einer leuchtend gelben Scheibe, die von Blütenblättern umringt ist. Im Inneren der Blume erscheinen Figuren wie geisterhafte Bewohner. Besonders dieses Größenverhältnis verleiht golden blossom eine traumgleiche Wirkung.

  • Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
    Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
  • Im vergangenen Jahr, während der langen Zeit der erzwungenen Isolation, hat sich Sarah Buckner intensiv mit Literatur auseinandergesetzt, die Grenzen zwischen fiktiven und realen Situationen verwischt und Bilder aus diesen literarischen Welten heraufbeschworen. Es ist leicht zu erkennen, welchen Reiz es zum Beispiel hat, in die fantastische und überbordende Welt von Virginia Woolfs Roman Orlando, der 1928 erschien, einzutauchen. Die Lektüre von Woolfs Erzählung über die unerklärlich zeitlose Existenz eines jungen Adligen über mehr als 350 Jahre hinweg und die ebenso unerklärliche Verwandlung in eine Adlige in der Mitte des 18. Jahrhunderts kann selbst eine transformative Erfahrung sein. Obwohl das Buch eine scharfe, wenn auch manchmal humorvolle Anklage gegen die Ungleichheit der Frau vor dem Gesetz, der Kunst und dem Leben ist, ist es zugleich ein Roman, in dem alles möglich ist.

    Buckners Lektüre von Orlando funktionierte jedoch nicht als literarisches Kompendium von Bildern, sondern entfachte eine entsprechende Leichtigkeit des Geistes, denn auch der Witz und die Ökonomie von Woolfs Erzählung haben in den Werken der Künstlerin, die in einem losen Dialog mit dem Buch entstanden, Spuren hinterlassen.

    • Sarah Buckner Here! here! (dogs), 2021 Öl auf Leinwand 60,2 x 92 x 2 cm Titled and dated verso
      Sarah Buckner
      Here! here! (dogs), 2021

      Öl auf Leinwand

      60,2 x 92 x 2 cm

      Titled and dated verso

    Here! here! (Hunde) ist inspiriert von der Liebe der Figur zu Hunden. Gleichzeitig spielten Eindrücke des veränderten Alltagslebens im vergangenen Jahr – die gesteigerte Aufmerksamkeit für die Natur, das Gefühl, die Zeit stehe still: also eingefroren zu sein, oder die Assoziation, einer leichteren, glücklicheren Zeit entgegenzugehen - eine Rolle bei der Entstehung dieses Bildes.

    Alle Texte zu Werken von Sarah Buckner von Dr. Isabelle Moffat

  • Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
    Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
  • Sojourner Truth Parsons


     

     

    Sojourner Truth Parsons (geb. 1984 in Vancouver, Kanada / lebt und arbeitet in New York) studierte am Nova Scotia College of Art and Design in Halifax. Zu ihren jüngsten Ausstellungen gehören: This is America, Kunstraum Potsdam, 2021; The Sacred Vessel (PT. 1), Arsenal Contemporary, New York, 2020; und Holding Your Dog at Night, Oakville Galleries, Kanada, 2017. 2014 absolvierte sie eine vom Canada Council for the Arts geförderte internationale Residency in Santa Fe, New Mexico.

  • Werke von Sojourner Truth Parsons. Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
    Werke von Sojourner Truth Parsons. Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
  • Sojourner Truth Parsons Gemälde vermitteln ein starkes Gefühl erzählerischer Intimität, in denen wir als Betrachter sehr persönliche und doch fiktionale Ausschnitte aus fremden Leben wahrnehmen. Wie im klassischen Film Noir werden in ihren Werken dunkle Oberflächen, Schatten und gebrochene Charaktere in einer Vermengung aus Illusion und Begehren verknüpft. Sie stellen psychische Dramen dar, in denen der Drang nach Einheit und Vollendung durch den Genuss an dynamischer Multiplizität ausgeglichen wird. Während ihre Spuren und Pinselstriche den Malprozess hervorheben, erschaffen Farbflächen, Wiederholungen und Spiegelungen sowie die minimalistischen Formen ihrer Figuren eine körperliche, emotionale Subjektivität.

  • Der Mond steht voll und schwer in diesen Arbeiten. Die zentralen Figuren auf den Leinwänden scheinen mit seinen transportierenden Energien – Sehnsucht, Fantasie, Introspektion, Risiko - verbunden zu sein. In July Tree sind zwei Frauenfiguren als Silhouetten dargestellt, ein wiederkehrendes Motiv in Parsons' Werk, welches den Körper sowohl als Energie als auch als Form auffasst. Ein lustvoll gekrümmter Hals, eine grazile Gestalt, die aus dem Rahmen hervorragt – dies sind geheimnisvolle, fest umrissene Figuren, die gleichermaßen unergründlich wie unwiderstehlich sind. Im spannungsgeladenen Inneren der Werke befindet sich eine Vorstellung von der nächtlichen Stadt, ihren Strukturen und Rhythmen, der Fülle ihrer Verheißungen und dem Potenzial ihrer Gefahren.

  • Detail: Sojourner Truth Parsons, July Tree, 2020-2021, Acryl auf Leinwand, 213,5 x 183 x 4 cm (83 7/8 x 72 1/8 x 1 5/8 in). Foto © Andrea Rossetti
  • In Falling out of love with you wird diese Spannung noch schärfer, eine Figur im Kleid und mit Handschuhen – nostalgisch stilisiert, die Verkörperung des Begehrens – blickt über den Hafen auf Manhattan, eine einzelne langstielige Rose in der Hand. Verstreute, prosaische Blumen verankern die Ränder der Leinwand vor einem Mosaik aus Purpur- und Goldtönen. Diese Arrangements durchbrechen den Schutzschild der Nacht und suggerieren eine Szene, die bald zu Ende geht, wobei der Schleier der Illusion anderen Formen der Schönheit weicht – vielleicht weniger präzise in ihrer Eleganz, aber dennoch auf uns wartend.


    Alle Texte zu Werken von Sojourner Truth Parsons von Matthew Hyland

  • Detail: Sojourner Truth Parsons, Falling out of love with you, 2020-2021. Acryl auf Leinwand, 213,2 x 182 x 3,8 cm (83 7/8 x 71 5/8 x 1 1/2 in). Foto © Andrea Rossetti
    Detail: Sojourner Truth Parsons, Falling out of love with you, 2020-2021. Acryl auf Leinwand, 213,2 x 182 x 3,8 cm (83 7/8 x 71 5/8 x 1 1/2 in). Foto © Andrea Rossetti
  • Matthew Hyland on 'Sojourner Truth Parsons: Holding Your Dog At Night' from Oakville Galleries on Vimeo.

  • Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
    Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
  • Cui Jie


     

    Cui Jie (geb. 1983 in Shanghai, China / lebt und arbeitet in Shanghai) studierte Malerei an der China Academy of Art und machte 2006 ihren Abschluss. Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen gehören: Cui Jie: From Pavilion to Space Station, Centre for Chinese Contemporary Art, Manchester, 2019-20; The Enormous Space, OCAT Contemporary Art Terminal, Shenzhen, 2018; und Latter, Former, mother’s tankstation, Dublin, 2016. Ihre Arbeit wurde auch in der 12. Taipeh Biennale, Taipeh, 2020, gezeigt.

  • Ciu Jie, International Space Station, 2019, Acryl und Sprühfarbe auf Leinwand, 210 x 500 cm (82 5/8 x 196 7/8 in). Foto © Andrea Rossetti
    Ciu Jie, International Space Station, 2019, Acryl und Sprühfarbe auf Leinwand, 210 x 500 cm (82 5/8 x 196 7/8 in). Foto © Andrea Rossetti
  • Cui Jie schichtet mehrere Ebenen von Bildern – manche realistisch, manche fiktional – in ihren Leinwänden übereinander und erreicht damit eine multiperspektivische Erkundung verschiedener Orte. Jede Schicht ist akribisch ausgeführt und symbolisiert die Transformation der chinesischen Stadtlandschaft.

  • International Space Station ist eine fünf Meter lange Leinwand, die fast ausschließlich aus einem Farbfeld schwarzer Punkte besteht und die Weite des Alls suggeriert. Die ISS erscheint lediglich als eine skelettartige Kontur in der linken Ecke der Leinwand, angedeutet durch zarte Farbstriche in schimmernden, gedeckten Tönen. Die Erde darunter ist ähnlich reduziert dargestellt – ein schwarzer Bogen, der über die untere Bildfläche gestrichen ist. Das Werk erinnert an die größtenteils unsichtbaren und fast unentrinnbaren Infrastrukturen der Überwachung, Wifi-Netzwerke und ebenjene virtuellen Technologien, die unsere Alltagserfahrung in der Gegenwart entscheidend neu geprägt haben.

    Während das urbane Zentrum bislang das Hauptthema der Künstlerin bildete, verdeutlichen Arbeiten wie International Space Station ihre konzeptuelle, künstlerische und technische Veränderung in Richtung einer erweiterten Auffassung von Architektur und Landschaft – tatsächlich hat sich Cui in erster Linie immer als ‚Landschaftsmalerin‘ gesehen.

    Text von Dr. Wenny Teo

  • Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
    Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
  • Tsai Yi-Ting


     

    Tsai Yi-Ting (geb. 1980 in Hsinchu, Taiwan / lebt und arbeitet in Taipeh) erhielt 2004 einen BFA von der Taipei National University of the Arts, 2006 einen MFA vom Central Saint Martins College of Art, London, und 2020 einen MFA von der National Taipei University of Arts. Bisherige Einzelausstellungen: Newborn, Confinement, Beyond Gallery, Taipei, 2018; Tsai Yi-Ting, Jin-bian-tang, Shin-chu, Taiwan, 2018; und Nanliao, A Gallery, Taipei, 2012.

  • Tsai vergleicht ihre Malereipraxis mit dem Führen eines Tagebuchs, eine Art Logbuch, in dem verschiedene Stadien des Lebens dokumentiert werden. Selbst während ihrer Schwangerschaft und den ersten Tagen ihrer Mutterschaft – traditionell eher Zeiten des Rückzugs – beharrte die Künstlerin darauf, in ihr Atelier zu gehen und zu malen. Die meisten ihrer Arbeiten werden von satten, vollen Farbtönen dominiert, die den Leinwänden Tiefe verleihen und somit fast eine Räumlichkeit herstellen. In die Hintergründe dieser dunklen Traumlandschaften malt Tsai deformierte und fragmentierte, zuweilen aber auch emotional verstörende menschliche und tierische Figuren.

    Text von Chung Wei-Tzu

  • Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
    Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
  • Cordula Ditz


     

    Cordula Ditz (geb. 1972 in Hamburg, Deutschland / lebt und arbeitet in Hamburg) studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien, und hat einen MA an der Universität Hamburg, den sie 2008 abschloss. 2019-20 war sie Gastprofessorin an der Akademie der Bildenden Künste in München (AdBK). Zu ihren jüngsten Ausstellungen gehören: MIND the GAP #1, Bieberhaus, Hamburg, 2020; Your Silence is Very Disturbing, Galerie Marstall, Ahrensburg, 2019; und BEING LAID UP WAS NO EXCUSE FOR NOT MAKING ART, Kunstverein in Hamburg, 2020.

  • Detail: Cordula Ditz, Glittering jewels that you never had, 2019, Acryl und Sprühfarbe auf Leinwand, 200 x 150 cm (78 3/4 x 59 1/8 in). Foto © Andrea Rossetti
    Detail: Cordula Ditz, Glittering jewels that you never had, 2019, Acryl und Sprühfarbe auf Leinwand, 200 x 150 cm (78 3/4 x 59 1/8 in). Foto © Andrea Rossetti
  • Cordula Ditz’ Arbeit untersucht die Prozesse, in denen unsere Vorstellungen von Geschlechterrollen und Identität konstruiert, eingeübt und gefestigt werden – Prozesse, in denen die Medien eine entscheidende Rolle spielen, und die uns bewusst wie unbewusst prägen. Dafür sammelt sie Material, das sie online und in Büchern, Zeitschriften und Filmen findet, und integriert es in Gemälde und Videos in Form von Collagen und Montagen. Sie schafft damit eine reiche Bilderwelt, die ihren Ursprung und performativen Charakter offen ausstellt, um zur Reflexion über mediale Darstellungen und die Produktion normativer Zuschreibungen herauszufordern.

    Als digital gedruckte „Beschichtungen” auf durchscheinendem Fahnenstoff erscheinen die Gemälde als statisches Äquivalent zur Videomontage, die gefundene Bilder aus Büchern, Zeitschriften und dem Internet versammeln. Pastose Farbe, aufgetragen mit gesturalem Duktus, stellt eine Balance in den Werken her, indem sie die Gemälde festigt und akzentuiert. Die Gemälde erzählen von den Kämpfen der Frauenbewegung, von Unterdrückung und normativen Schönheitsidealen – die aus einer zeitgenössischen Perspektive dezidiert historisch scheinen. Wir begegnen der Suffragetten-Bewegung des frühen zwanzigsten Jahrhunderts; Auszügen aus der Women’s Bible von 1895/1898; der schwedischen Malerin Hilma af Klint, einer frühen Vertreterin rein abstrakter Malerei in der westlichen Kunst, die der kunstgeschichtliche Diskurs lange Zeit zugunsten ihrer männlichen Kollegen vernachlässigte; historische Gesichtsmasken mit Eiswürfeln, die angeblich die Haut verjüngen; Werkzeug zur Nasenkorrektur; und sogar Maulkörbe, mit denen Frauen mit nackter Gewalt zum Schweigen gebracht wurden.

  • Detail: Cordula Ditz, Glittering jewels that you never had, 2019, Acryl und Sprühfarbe auf Leinwand, 200 x 150 cm (78 3/4 x 59 1/8 in). Foto © Andrea Rossetti
    Detail: Cordula Ditz, Glittering jewels that you never had, 2019, Acryl und Sprühfarbe auf Leinwand, 200 x 150 cm (78 3/4 x 59 1/8 in). Foto © Andrea Rossetti
  • Ditz’ Praxis untersucht medienübergreifend, wie Kulturgeschichte Perspektiven darauf konditioniert, wem was zusteht, wie die eigene Wahrnehmung strukturiert wird und auf welche Strategien des Self-Empowerment Marginalisierte zurückgreifen. Auf den ersten Blick scheint diese Strategie mit dem abstrakt-expressionistischen Stil der zwei Leinwände zu kollidieren. Durch die Kombination stürmischer, schwungvoller Gesten mit grafischen Elementen und einer zurückhaltenden Expressivität setzen sie der subversiven Bestimmtheit des Materials eine luftige – wenn auch trügerische – Leichtigkeit entgegen.

  • Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
    Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
  • Tala Madani


     

    Tala Madani (geb. 1981, Teheran, Iran / lebt und arbeitet in Los Angeles) erhielt 2006 ihren MFA an der Yale University School of Art. Einzelausstellungen u.a.: Mori Art Museum, Tokio, 2019; Wiener Secession, Wien, 2019; La Panacée, Montpellier, 2017; Centro Andaluz de Arte Contemporáneo, Sevilla, 2014; und Nottingham Contemporary, Nottingham, 2014. Eine große Retrospektive ihrer Arbeit wird demnächst im Museum of Contemporary Art, Los Angeles, gezeigt.

  • Tala Madani, Untitled, 2020, Öl auf Leinwand, 43,2 x 53,7 x 2 cm (17 x 21 x 1 1/2 in). Foto © Andrea Rossetti
    Tala Madani, Untitled, 2020, Öl auf Leinwand, 43,2 x 53,7 x 2 cm (17 x 21 x 1 1/2 in). Foto © Andrea Rossetti
  • Tala Madanis Arbeit verbindet verschiedene Formen der Kritik an den Geschlechtern, insbesondere an männlichen und weiblichen Stereotypen, sowie die kritische Hinterfragung westlicher Idealvorstellungen von Kindheit, Familie und dem kunsthistorischen Kanon. Ihre Arbeit ist von einem bissigen Humor geprägt und thematisiert grundlegende menschliche Gefühle und Emotionen, wie Angst, Wut, Furcht, Isolation, Paranoia, Neid und Lust.

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  • Tala Madani: I Really Laugh When I Paint from Louisiana Channel on Vimeo.

  • Von links nach rechts: Isa Melsheimer, Nr. 473, 2021, Gouache auf Papier, 70 x 100 cm (27 1/2 x 39 3/8 in) (ungerahmt), 79 x 109 x 4 cm (31 1/8 x 42 7/8 x 1 5/8 in) (gerahmt); Nr. 472, 2021, Gouache auf Papier, 70 x 100 cm (27 1/2 x 39 3/8 in) (ungerahmt), 79 x 109 x 4 cm (31 1/8 x 42 7/8 x 1 5/8 in) (gerahmt). Foto © Andrea Rossetti
    Von links nach rechts: Isa Melsheimer, Nr. 473, 2021, Gouache auf Papier, 70 x 100 cm (27 1/2 x 39 3/8 in) (ungerahmt), 79 x 109 x 4 cm (31 1/8 x 42 7/8 x 1 5/8 in) (gerahmt); Nr. 472, 2021, Gouache auf Papier, 70 x 100 cm (27 1/2 x 39 3/8 in) (ungerahmt), 79 x 109 x 4 cm (31 1/8 x 42 7/8 x 1 5/8 in) (gerahmt). Foto © Andrea Rossetti
  • Isa Melsheimer


     

    Isa Melsheimer (geb. 1968 in Neuss, Deutschland / lebt und arbeitet in Berlin) erhielt einen MA von der Universität der Künste, Berlin, wo sie bei Georg Baselitz studierte. Zu ihren jüngsten institutionellen Einzelausstellungen gehören: Der unerfreuliche Zustand der Textur, KINDL-Zentrum für Gegenwartskunst, Berlin, 2020; Psychotropische Landschaften, Städtische Galerie Delmenhorst, 2018; The Year of the Whale, Fogo Island Gallery, 2018; DER TOTE PALAST ZITTERTE-ZITTERTE!, Mies van der Rohe Haus, Berlin, 2017; und Kontrastbedürfnis, Ernst-Barlach-Haus, Hamburg, 2015.

  • Isa Melsheimer, Nr. 472, 2021, Gouache auf Papier, 70 x 100 cm (27 1/2 x 39 3/8 in) (ungerahmt), 79 x 109 x 4 cm (31 1/8 x 42 7/8 x 1 5/8 in) (gerahmt). Foto © Andrea Rossetti
    Isa Melsheimer, Nr. 472, 2021, Gouache auf Papier, 70 x 100 cm (27 1/2 x 39 3/8 in) (ungerahmt), 79 x 109 x 4 cm (31 1/8 x 42 7/8 x 1 5/8 in) (gerahmt). Foto © Andrea Rossetti
  • Das Werk Nr. 472 ist Teil einer Serie großformatiger Gouachen und zeigt eine brutalistische Konstruktion. Das dargestellte Gebäude ist die Chiesa di Santa Maria della Visitazione, eine römische Kirche, die vom italienischen Architekten Saverio Busiri Vici entworfen und von 1965 bis 1971 erbaut wurde. Das Gebäude erscheint innerhalb einer dramatischen Berglandschaft, die von Szenerien des Isenheimer Altars in Colmar inspiriert sind. Der Altar wurde von Nikolaus von Hagenau und Matthias Grünewald 1512 bis 1516 geschaffen und gilt als gotisches Meisterwerk. Die dystopischen, fast postapokalyptischen Untertöne der dargestellten architektonischen Umgebung finden sich auch in kleineren Motiven des Werks wieder: in einer Ansammlung übergroßer Pilze und einem Wolf, der einen Kadaver verschlingt.

  • Detail: Isa Melsheimer, Nr. 472, 2021, Gouache auf Papier, 70 x 100 cm (27 1/2 x 39 3/8 in) (ungerahmt), 79 x 109 x 4 cm (31 1/8 x 42 7/8 x 1 5/8 in) (gerahmt). Foto © Andrea Rossetti
    Detail: Isa Melsheimer, Nr. 472, 2021, Gouache auf Papier, 70 x 100 cm (27 1/2 x 39 3/8 in) (ungerahmt), 79 x 109 x 4 cm (31 1/8 x 42 7/8 x 1 5/8 in) (gerahmt). Foto © Andrea Rossetti
  • Das Werk Nr. 473 zeigt den Rohbau der Villa Girasole, die in den 1930er-Jahren im norditalienischen Marcellise nahe Verona erbaut wurde. Das Haus, das nach Plänen des Architekten Angelo Invernizzi geschaffen wurde, dreht sich um sich selbst, um dem Stand der Sonne zu folgen – gleich einer Sonnenblume, die sich öffnet und der Sonne zuwendet. Daher auch der Name des Gebäudes: Girasole bedeutet ‘Sonnenblume’ im Italienischen.

  • Detail: Isa Melsheimer, Nr. 473, 2021, Gouache auf Papier, 70 x 100 cm (27 1/2 x 39 3/8 in) (ungerahmt), 79 x 109 x 4 cm (31 1/8 x 42 7/8 x 1 5/8 in) (gerahmt). Foto © Andrea Rossetti
    Detail: Isa Melsheimer, Nr. 473, 2021, Gouache auf Papier, 70 x 100 cm (27 1/2 x 39 3/8 in) (ungerahmt), 79 x 109 x 4 cm (31 1/8 x 42 7/8 x 1 5/8 in) (gerahmt). Foto © Andrea Rossetti
  • Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
    Ausstellungsansicht: L'Invitation au voyage, Esther Schipper, Berlin. Foto © Andrea Rossetti
  • Yeesookyung


     

    Yeesookyung (geb. 1963 in Seoul, Korea / lebt und arbeitet in Seoul) hat einen BA und MFA in Malerei von der Seoul National University. Zu ihren jüngsten institutionellen Einzelausstellungen gehören: Whisper Only to You, Museo e Real Bosco di Capodimonte, und MADRE, Museo d’arte Contemporanea Donnaregina, beide in Neapel, 2019, sowie When I Become You, Daegu Art Museum, Daegu, Korea, und Museum of Contemporary Art Taipei, Taiwan, beide 2018.

     

  • Yeesookyung, Past Life Regression Painting - Just Started, 2014, Acryl auf Leinwand, 181,8 x 227,3 x 3,5 cm (71 5/8 x 89 1/2 x 1 3/8 in). Foto © Andrea Rossetti
    Yeesookyung, Past Life Regression Painting - Just Started, 2014, Acryl auf Leinwand, 181,8 x 227,3 x 3,5 cm (71 5/8 x 89 1/2 x 1 3/8 in). Foto © Andrea Rossetti
  • Yeesookyungs Werk, das auf Erzählungen vergangener Lebenserfahrungen basiert, die unter Hypnose gesammelt wurden, entlässt uns aus der Ausstellung mit einer Komposition aus einer Vielzahl von kleinen rosafarbenen Blumen, einem Gemälde, das aus der meditativen und konzeptuellen Praxis der Künstlerin entstanden ist.

  • Ein Meer aus Pink ergießt sich von Bildrand zu Bildrand des Werks Just Started (2014), wobei das Fehlen jeglicher erkennbarer Tiefe dem Bild eine mehrdeutige Räumlichkeit verleiht, die zugleich anziehend und befremdend wirkt.

    Diese unheimliche Gegenwart nimmt Bezug zu früheren Werken Yeesookyungs aus der Flame series (2005-2009) in der sich wiederholende Feuermotive die gesamte Ebene des Bilds ausfüllen und so in der Abwesenheit eines fest gesetzten Blickpunkts eine abstrakte Modalität behaupten. Ebenso wie die Rosenknospen in Just Started hüllt die unaufhörliche Expansion dieser Flammen den Betrachter in eine hypnotische Idylle, die die Grenzen zwischen Bild und Beobachter verwischt.

    Text von Andrew St. Louis

  • READING CORNER

  • L'Invitation au voyage
    mit Texten von Gayatri Gopinath, Karoline Hille, Matthew Hyland, Marco Livingstone, Isabelle Moffat, Tobias Peper, Andy St. Louis, Wenny Teo, Marie-Catherine Vogt, Wim Wenders, und Chung Wei-Tzu.
    2021
    Herausgeber: Esther Schipper
    Sprache: Englisch
     
     
    Wir freuen uns, Ihnen unseren Ausstellungskatalog präsentieren zu können. Die reich bebilderte Publikation enthält eigens in Auftrag gegebene und vorhandene Texte zu den einzelnen Künstlerinnen, biografische Informationen sowie einen einführenden Essay.
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